Auszeit-Messe in Freiburg

Ich habe die „Auszeit“-Messe in Freiburg besucht, eine Messe ausschließlich für Frauen. Meine Erwartungen waren eventuell etwas zu hoch, aber ich war wirklich entsetzt, dass die Stände sich fast ausschließlich mit der „Verschönerung“ von Frauen auseinandersetzten. Hat sich der Lebensinhalt von Frauen in den letzten 50 Jahren wirklich kaum verändert?

Die Atmosphäre auf Messen ist immer sehr kühl und unpersönlich, so dass ich kein großer Fan von Messebesuchen bin. Die Frauenmesse hatte mich dann aber doch interessiert, weil ich neugierig darauf war, welche Inputs ich dort bekommen würde. Umso überraschter war ich, als ich die Gänge entlang schlenderte und an Ständen für Schönheits-OP´s, Kochgeräten, Hochzeitskleidern und Diätprodukten vorbei kam. Dort bildeten sich wirklich lange Schlange für Beratungsgespräche mit den Mitarbeiter*innen. Erfreulicherweise gab es den Stand einer Thai-Chi-Schule und einer Tätowiererin, sonst hätte ich das Gefühl gehabt in einer Werbung aus den 50er-Jahren gelandet zu sein.

Das Bild der Frauen in der Gesellschaft und das Selbstbild der Frauen scheint noch immer dem Klischee zu entsprechen, Frauen hätten sich hauptsächlich um ihre Schönheit zu kümmern. Ein Blick in die Werbung bestätigt, dass sie häufig sexualisiert wahrgenommen werden (danke an Pinkstinks Germany, die großartig auf frauenfeindliche Werbung aufmerksam machen). Peggy Phelan stellt in ihrem Buch „The Politics of Performance“ fest, dass eigentlich junge, weiße Frauen die Welt regieren müssten, wenn man deren Sichtbarkeit mit Macht gleichsetzen könnte. Sie tun es aber nicht, weil sie aufgrund ihrer Sozialisation in der Gesellschaft genau den Platz einnehmen, der ihnen zugewiesen wurde. Über unzählige Bilder in der Werbung sind Frauen optisch ständig präsent, wogegen ihre Meinungen, ihr Wissen und ihre Kompetenz aber nicht sichtbar wird. So sind in Talkshows nur ca. ein Drittel der Gäste Frauen, in Nachrichten werden zu 77 % Männer benannt (vgl. S. 104 ff. Margarete Stokowski in „Untenrum frei“).

Diese beschriebene Reduzierung von Frauen auf Äußerlichkeiten hat sich trotz Emanzipation und Feminismus kaum verändert. Spätestens mit der Geburt des ersten Kindes festigen sich traditionelle Rollensbilder in vielen Familien wieder, vorher gelebte Gleichberechtigung bei Paaren relativiert sich dann wieder.

Die Besucherinnen der Messe waren altersgemischt zwischen 25 und 70 Jahre alt und machten den Eindruck, mit den Angeboten dort zufrieden zu sein. Was sagt es über die Frauen im Jahr 2018 aus, wenn sie es als normal empfinden, dass auf Frauenmessen keine Bücherstände oder keine Informationsstände über berufliche Weiterentwicklung, Feminismus oder spannende Themen wie den Klimawandel existieren. Ich hätte dort gern Diskussionen mit anderen Frauen zu aktuellen Entwicklungen der Weltpolitik oder über den Stand der Emanzipation geführt. Und falls der Begriff „Auszeit“ für Freizeit steht, verstehe ich die Teilnahme von Schönheitschirurgen und Kochgeräten erst recht nicht.

Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich liebe Kosmetik und Mode, möchte aber bei einer Veranstaltung, die sich ausschließlich an Frauen richtet nicht auf diese Themen reduziert werden. Die Messe war nicht als Beauty- und Haushaltsmesse, sondern als Auszeit-Frauenmesse angekündigt und ich hatte deshalb ein breiteres Angebot erwartet. Ich hoffe, dass die Mehrheit der Frauen ebenfalls andere Interessen hat, als sich ausschließlich um ihre hübsche Erscheinung und teure Küchenmaschinen zu kümmern.

Bis dahin, Eure fifty-something

 

Kategorien: Gesellschaft

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