Camargue – Erholung pur

Seit über 30 Jahren verbringen mein Mann und ich mindestens einmal jährlich unseren Urlaub in der Camargue, denn dieses Stück Land hat einen ganz eigenen Charme mit Lavendel- und Reisfeldern, Flamingos und endlosen Sandstränden.

Die Camargue befindet sich im Süden Frankreichs im Rhone Delta und ist als Naturschutzgebiet mit zahlreichen kleinen Gewässern (Etangs) bekannt. Typisch für die Region sind die nur hier ansässigen wildlebenden Camargue-Pferde sowie die zahlreichen rosa Flamingos.

Unsere Liebe zu diesem Landstrich begann bei einem unserer ersten gemeinsamen Urlaube 1986, nachdem ich vorher bereits mit meinen Eltern in der Camargue zu Gast war. Seitdem zieht es uns immer wieder dort hin, da die Gegend wunderschön, weitläufig und nicht übermäßig überlaufen ist. In unseren Urlauben suchen wir hauptsächlich Ruhe und Erholung und möchten schöne Orte erkunden. Die Camargue bietet das alles, ohne dabei langweilig zu sein.

Ganz im Osten der Camargue liegt das alte Fischerdorf „Le Grau du Roi“, welches zu großen Teilen seinen Charme bis heute erhalten konnte. Natürlich gibt es im Ort viele Ferienwohnungen und Hotels, jedoch finden sich nur wenige Bausünden und die ortsansässigen Fischer fahren mit ihren Fischerbooten noch regelmäßig zum Fischfang hinaus. Lohnenswert ist auf jeden Fall ein Besuch auf dem Wochenmarkt, der besonders samstags im ganzen Ort stattfindet und eine große Auswahl an regionalen Produkten bereithält.

Fischerhafen in Le Grau du Roi

Statue „Hommage aux femmes de Camargue“ im Hafen

Ausgangspunkt für unsere Ausflüge ist immer der „Camping L´Éspiguette“ in Le Grau du Roi. Dieser Campingplatz stand bei unserem ersten Besuch 1986 noch unter kommunaler Verwaltung und hat wahrscheinlich deshalb eine prominente Lage direkt am endlos langen Strand. Inzwischen ist er allerdings in Privatbesitz. Während wir anfangs im Zelt gecampt haben, mieten wir uns in den letzten Jahren immer Chalets in verschiedenen Größen,  je nach Anzahl unserer Mitreisenden. Diese Chalets sind kleine Holzhäuser mit Schlafzimmern, eigenem Bad und kleiner Küchenzeile sowie einer schönen Terrasse.

Unser Lieblingschalet

Strand am Camping L`Espiguette

Der Campingplatz zeichnet sich durch seinen unglaublich schönen Sandstrand aus, der auch in der Hochsaison genug Platz für alle Strandbesucher bietet. Es gibt außerdem einen Supermarkt, zwei Geschäfte für Andenken und Strandspiele sowie ein Restaurant und verschiedene Essensstände. In der Saison bietet der Campingplatz abends ein wechselndes Unterhaltungsprogramm an, bei dem man häufig sehr gute Musikgruppen erleben kann – falls man, wie ich auf gute Popmusik oder Chansons steht. Tagsüber werden verschiedenen Sportarten sowie eine Kinderanimation angeboten. Der Pool wird zurzeit renoviert und 2020 wieder eröffnet.

Der Charme des Campingplatzes macht für uns die Mischung aus Einheimischen, die insbesondere in den Ferien und an den Wochenenden zahlreich mit ihren Familien den Platz erobern sowie Touristen wie wir, die oft schon jahrelang dort hinfahren und sich wohlfühlen. Traditionell treffen sich in der Saison jeweils am frühen Abend viele Jugendliche in den Sanitäranlagen, um sich mit Freunden und Freundinnen und viel Musik für die anschließenden Treffen im Barbereich aufzuhübschen. Während ich 1986 noch dazu gehörte, bleibt mir jetzt nur noch das Vergnügen, die neue Generation bei den gleichen Ritualen zu beobachten.

Der erste Weg nach unserer Ankunft führt uns immer ins „Maison Méditerranéenne“ (von uns auch „Schlemmertempel genannt), ein Geschäft für Weine und Produkte aus der Region. Neben einer Vielzahl von Rot- und Weißweinen ist die dortige Auswahl an Cremants wirklich empfehlenswert. Außerdem gibt es dort einen unglaublich leckeren Mango-Essig und unzählige Sorten Honig und Nougat. Die regionalen Produkte wie Fischsuppen und Fleur de Sel sowie Kosmetikprodukte aus Olivenöl oder Lavendel sind auf jeden Fall empfehlenswert.

An bewölkten Tagen machen wir regelmäßig einen Tagesausflug nach Montpellier, die Stadt lädt auf jeden Fall zum Shoppen und Stöbern ein und ist nur 30 Autominuten vom Campingplatz entfernt. Neben mehreren modernen Einkaufszentren gibt es kleine romantische Gässchen, aber auch spannende moderne Architektur. (siehe meinen Artikel über Montpellier: https://fifty-something.de/2019/02/01/montpellier-videodreharbeiten-in-einer-wunderschoenen-stadt/)

Die Camargue bietet natürlich auch einige historische Sehenswürdigkeiten, insbesondere die Städte Aigues-Mortes und Arles sind auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Aigues-Mortes ist insbesondere aufgrund seiner gut erhaltenen Stadtmauern und dem Stadttor berühmt. Man kann kaum erahnen, dass die Stadt im 13. Jahrhundert als Hafenstadt konzipiert wurde, die an einer Lagune lag und durch Kanäle mit dem Mittelmeer verbunden war. Heute liegt der Ort durch die Verlandung der Flachwasserzone ungefähr sechs km vom Meer entfernt. Leider ist der Ort ein reiner Touristenort geworden, sodass sich die Besichtigung auf jeden Fall lohnt, ein Restaurant- oder Cafébesuch aber recht teuer werden kann. Dafür lohnt sich ein Besuch in den kleinen unbekannteren Orten im nahen Umkreis von Aigues-Mortes, in denen es authentische und preiswerte Restaurants zu entdecken gibt.

Eine ebenfalls historische Stadt in der Camargue, die einen Besuch auf jeden Fall lohnt, ist Arles. Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal dort und hatten das Glück, dass an dem Wochenende gerade die jährliche „Fête de la musique“ stattfand. Überall in den historischen Gebäuden und Straßen fanden Konzerte statt, sodass der Ortskern in eine besondere Atmosphäre getaucht war.

Darüber hinaus ist die Stadt bekannt für seine Überreste aus der Antike und dem Mittelalter. Einer der berühmtesten Einwohner Arles war Vincent van Gogh, der den Ort und seine Umgebung zahlreich porträtierte und diese Bilder auch heute noch sehr präsent in den Museen und Andenkengeschäften sind. Dabei ist die Kitschgrenze natürlich oft überschritten (wer braucht die wunderbaren Bilder von Vincent van Gogh auf Platzdeckchen?). Trotzdem hat der Ort eine besondere Atmosphäre, was nicht zuletzt seine Lage an der Rhone und der südliche Flair ausmacht.

Wir haben  im Laufe der Jahre viele Rituale entwickelt, die wir in jedem Urlaub in der Camargue unbedingt wiederholen müssen (Ausflüge nach Montpellier, Picknick am abendlichen Strand, gutes Wein und gutes Essen). Auch unsere erwachsenen Kinder fahren immer noch gerne mit uns dorthin und genießen die Ruhe, aber auch die Möglichkeit zu interessanten Ausflügen in der Umgebung. So genieße ich jeden Morgen meine Laufstrecken am Etang oder zum Leuchtturm, an denen ich je nach Jahreszeit die unterschiedlichen Aromen nach Kräutern und Blumen wahrnehmen kann. Außerdem liebe ich gemeinsam mit meiner Tochter eine ruhige Yogaeinheit in den wunderschönen Dünen bei Abendsonne.

Gerade in turbulenten Zeiten ist die Camargue für uns immer ein verlässlicher Anlaufpunkt zur Erholung gewesen und wird es hoffentlich auch in Zukunft bleiben.

Bis dahin, Eure fifty-something

 


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